Integration durch kooperative Freiflächenentwicklung - Reallabore zur Stärkung sozial-ökologischer Entwicklung in Ankunftsquartieren (KoopLab)

Das KoopLab-Team (v.l.): Dennis Zilske, Mona Wallraff, Florian Keppler, Ute Ellermann, Nils Hans

Seit 2018 ist der Planerladen in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten dreijährigen Projekt "Integration durch kooperative Freiflächenentwicklung – Reallabore zur Stärkung sozial-ökologischer Entwicklung in Ankunftsquartieren (KoopLab)" tätig.

Inhalte des Projektes

Das Projekt beschäftigt sich in drei ausgewählten Kommunen (Dortmund, Hannover, Leipzig) mit der Frage, wie wohnungsnahe Grün- und Freiflächen gestaltet und unter Einbeziehung lokaler Akteure gemeinschaftlich entwickelt werden müssen, um zu einer ökologischen Aufwertung des Quartiers beizutragen und die sozial-räumliche Integration der Quartiersbewohner/-innen zu befördern.

Der räumliche Fokus liegt dabei auf „Ankunftsquartieren“, also Stadtteilen, die in besonderem Maße von Vielfalt, (temporärer) Migration und Dichte geprägt sind. Wir verstehen solche Quartiere als hochgradig dynamische Räume der Interaktion und des Austauschs, in denen Zugewanderte durch bestehende Netzwerke und informelle Gelegenheitsstrukturen beim Ankommen unterstützt werden können. Von besonderer Bedeutung für die Interaktion der Quartiersbewohner/-innen können sog. ‚micro-publics‘ (Amin 2002) sein: (halb-)öffentliche Räume, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft auf Augenhöhe zusammentreffen und neue Formen des Zusammenlebens erproben. Ankunftsquartiere können somit wichtige Integrationsleistungen übernehmen, sofern sich zivilgesellschaftliche Strukturen ausbilden und die Teilhabe benachteiligter Bewohner/-innengruppen gestärkt wird. Bisherige Erfahrungen zur partizipativen Gestaltung von Grün- und Freiflächen zeigen, dass diese Räume eine zentrale Funktion für die individuelle Integration, soziale Kohäsion und eine sozial-ökologische Quartiersentwicklung übernehmen können.

Reallabore als methodischer Ansatz

Als methodisches Design wird der Ansatz der Reallabore herangezogen, die im Projektkontext als physische Orte (z.B. urbane Gärten) gefasst werden, die neben ihrer Funktion als Freizeit-, Aufenthalts- und Erholungsflächen, zentrale Plattformen der Begegnung darstellen. Der lokale Erfolg des Forschungsprojekts bemisst sich an dem verbesserten Zugang insbesondere benachteiligter Gruppen zu Freiräumen, einer verstärkten gemeinschaftlichen Übernahme von Verantwortung für die Gestaltung und Weiterentwicklung von Freiflächen, einer Sensibilisierung für unterschiedliche Bedarfe sowie gestärkter bzw. neuer Formen der lokalen Kooperation.

Kartenansicht der Projektfläche in der Dortmunder Nordstadt
Die neu zu gestaltende Fläche

KoopLab in der Dortmunder Nordstadt: Freifläche im Blücherpark bietet Gelegenheit Neues entstehen zu lassen

Die Nordstadt ist der am dichtesten bebaute Stadtteil in Dortmund. Daher haben Freiräume wie Parks, Grünflächen oder öffentliche Plätze eine besondere Bedeutung für die Bewohnerschaft. Das Projekt KoopLab hat sich zum Ziel gesetzt, diese Freiräume gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern zu entwickeln und zu gestalten.

Hierfür hat das Projektteam eine Fläche im Blücherpark (Blücherstraße/Ecke Lessingstraße) ins Auge gefasst: „Es handelt sich um einen ehemaligen Spielplatz, der nicht mehr genutzt wird – die Spielgeräte wurden schon vor einiger Zeit abgebaut. Damit ist die Fläche ideal geeignet, um hier etwas Neues entstehen zu lassen“, erklärt Florian Keppler von der Koordinierungsstelle "nordwärts" der Stadt Dortmund. Dabei geht es nicht darum, auf der Fläche lediglich neue Spielgeräte oder Sitzgelegenheiten aufzustellen. „Wir wollen diesen Teil des Blücherparks gemeinsam mit Bewohnerinnen, Bewohnern und Akteuren entwickeln. Alle können mitmachen, das Projekt ist offen für alle Altersgruppen“, so Mona Wallraff vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS). „Wichtigstes Ziel ist es, dass auf der Fläche und durch die dortigen Aktivitäten ein Mehrwert für die Bewohnerschaft entsteht“ ergänzt ihr Kollege Nils Hans. Neben der Stadt Dortmund und dem Forschungsinstitut wird das Projekt vom Planerladen e.V. und dem Büro Freiraum- und Quartiersprojekte begleitet. „Es soll nicht nur etwas entstehen, was den Wünschen der Menschen entspricht. Vielmehr sollen die Menschen aus dem Quartier selbst Teil des Projektes werden und mit unserer Unterstützung ihre eigenen Ideen in die Tat umsetzen“ beschreibt Dennis Zilske vom Planerladen e.V. die Vision von KoopLab. Ute Ellermann wird die Bewohner bei der praktischen Umsetzung unterstützen. „Wir wollen zunächst bewusst offen halten, was konkret passieren wird. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und die Bedürfnisse des Quartiers stehen im Vordergrund“, betont die Landschaftsarchitektin.

Kooperationspartner

Das Vorhaben umfasst insgesamt sieben Verbund- sowie weitere Kooperationspartner in den drei Städten. Innerhalb des Verbunds übernimmt das ILS die kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung und Analyse des Prozesses des Reallabors in Dortmund. Die wissenschaftliche Begleitung der Fallstudien Hannover und Leipzig übernehmen das Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS, Osnabrück) bzw. das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH (UFZ, Leipzig). Beteiligt sind zudem Mitarbeiter/-innen der Stadtverwaltungen der Städte Dortmund (hier: Ombudsstelle für Bürgerinteressen und -initiativen), Hannover und Leipzig sowie Akteure aus Zivilgesellschaft, Privat- und Wohnungswirtschaft.

Gefördert durch das BMBF im Rahmen der Fördermaßnahme „Umsetzung der Leitinitiative Zukunftsstadt“: Forschung für klimaresiliente, sozial-ökologisch gerechte und lebenswerte Städte und Nachhaltige Transformation urbaner Räume.

Mehr Informationen zum Projekt

finden Sie online unter www.kooplab.de

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